Zeichnungen

Kreusa mit dem Schmuck der Medea (1949)


große Auflösung

Bleistift auf graugrünem Papier
Wien, 1949
47,5 x 23 cm


Als "unbeschreiblich schön" bezeichnet Fuchs den Anfang seiner Liebe zu Marie Luise Löblich. Eine Liebe, die Kunst und Eros zu einer Passion verbinden sollte. Die Malerin und Studentin an der "Graphischen Lehr- und Versuchsanstalt" in Wien, die etwas "Unberührt-Unberührbares" ausstrahlt, wird für ihn zur Symbolfigur des Schönen; und sein besonderes Bestreben gilt, "ihrer im Bilde gerecht zu werden". In einer Zeit, die thematisch von Tod und Verwesung, von Dämonen und Gestalten der Unterwelt buchstäblich besetzt ist, bricht dieses Verlangen nach Schönheit immer wieder durch. Eine Schönheit, die, wie auf dieser Bleistiftzeichnung mitunter auch zur Groteske mutiert. In Attributen wie der Überlängung und Verstreckung des Körpers oder der Deformation der Hände ist jener starke Einfluss großer Manieristen wie Jacques Bellange (1575-1617) oder Jacques Callot (1592-1635) spürbar, der so signifikant für diesen Schaffenszeitraum ist.
Das, in dieser Zeichnung dominant erscheinende, Saiteninstrument hebt sich von einer rein naturalistischen Wiedergabe bewusst ab und ist mit der Formulierung in Richtung Frauenkörper eher als Projektion einer erotischen Orientierung zu verstehen. Ebenso die Wundmale an den Händen Kreusas, die nicht nur als christianische Stigmata, sondern mit ihrer Andeutung des Vaginalen auch als "Zeichen eines erotisch-sadomasochistischen Verhältnisses" verstanden werden wollen.

(Textquelle: "Ernst Fuchs, Zeichnungen und Graphik aus der frühen Schaffensperiode, 1942-1959", herausgegeben von Friedrich Haider; Löcker Verlag Wien 2003, ISBN 3-85409-387-X)

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