Radierung, Lithographie

Die verhinderte Lucretia


große Auflösung

Lithographie
Wien, 1950


Zusammen mit Arnulf Rainer und Daniela Rustin (Marie Luise Löblich) gründet Fuchs im Herbst 1950 die Hundsgruppe. Sie ist vor allem Protest gegen die kleinbürgerliche Szene um den Art Club, der, kaum 3 Jahre jung, für einige schon wieder "zu alt" ist. Aber auch die darin zunehmenden abstrakten Tendenzen geben einigen Künstlern Anlass, dem Art Club "als einem verwässerten Seicherlclub" (Wiener Tageszeitung) den Rücken zu kehren.
"Wien war ein Alptraum" schreibt Fuchs. "Das lemurische Wesen seines Zerfalls hatte hinter der Maske des wirtschaftlichen Aufbaus zugenommen. Das Häuflein sehr begabter Künstler lebte in einer Art Untergrund, isoliert vom Leben der Gesellschaft soff sich jeder auf seine Weise zu Tode. Ich traf die alten Freunde Lehmden, Hausner, Hutter, Brauer - sie alle waren von der Uniformität des Massengeschmacks, der Freude an der 'reinen Form', der 'gegenstandslosen Kunst' sehr betroffen. Dieser weltweite Unsinn war sogar bis Wien gedrungen und hatte den 'Art Club', die letzte Zuflucht, auch der Phantasten und Surealisten, vergiftet. Wir wollen mit so einem Wust von modischem Zeug nichts zu tun haben. Denn wir waren uns schon bewusst, dass hier in Wien nach dem Krieg etwas ganz besonderes entstanden ist und dass diese Besonderheit auch im 'Art Club' insbesondere verkörpert und vertreten wurde. Konsterniert und deprimiert sass jeder in seiner Höhle und malte in vager Hoffnung auf einen Tag der Geltung 'unserer Kunt' hin."

Als Beitrag zur Hundsgruppen-Mappe Cave Canem steuert Fuchs eine neue Variante des von ihm oft gestalteten Themas La belle et la bête" - "Die Schöne und das Tier", bei. Die Lithographie zeigt die "Schöne" als eine Art Lucretia, die, im Begriff sich den Tod zu geben, durch das Biest zurückgehalten wird.

(Textquelle: "Ernst Fuchs, Zeichnungen und Graphik aus der frühen Schaffensperiode, 1942-1959", herausgegeben von Friedrich Haider; Löcker Verlag Wien 2003, ISBN 3-85409-387-X)

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