Radierung, Lithographie
Passio

große Auflösung
Radierung auf Kupfer
Wien, 1950
28,5 x 20,8 cm
Das Antlitz des gemarterten Christus zeichnet und malt Fuchs ab seinem 15.Lebensjahr in zahllosen Varianten. Von ungeheurer Ausdruckskraft, gleichsam zur Groteske verzerrt, zeigt es die Radierung Passio. Daneben erscheint, fast unwirklich, Johannes der Evangelist. Ihm gilt das in die Kupferplatte eingravierte, am linken unteren Blattrand erscheinende Gedicht:
Es ist Winter mit all dem Schnee
Und die Bäume voller Krähen
Schwarz ist die Sonne
wie verdorbener Brei
Und wie Blei sind die Wolken
und Mond
Kein Brand kein Rad
nur Tollheit und Mord
Des Toten Bahrtuch ist fleckig
Knarrend wankt im Schnee
ein Idiot
13.1.1950
Mit dem "im Schnee wankenden Idioten" stellt Fuchs eine Verbindung zu Dostojewskis Roman Der Idiot her, der gewissermaßen eine Reflexion über das Christentum darstellt. Dostojewskis künstlerisches Bestreben galt, mit der Person des Fürsten Myschkin (den er in den ersten Aufzeichnungen bezeichnenderweise "Fürst Christus" nennt) eine in Selbstlosigkeit sich erfüllende Persönlichkeit zu zeichnen. Die Fuchssche Johannes-Figur ist also auch mit jener des "Idioten", des Fürsten Myschkin gleichzusetzen.
(Textquelle: "Ernst Fuchs, Zeichnungen und Graphik aus der frühen Schaffensperiode, 1942-1959", herausgegeben von Friedrich Haider; Löcker Verlag Wien 2003, ISBN 3-85409-387-X)

