
NC 261864-2 Š 1995 1 CD
Richard Strauss: Eine Alpensinfonie op.64
Gothenburg Symphony Orchestra
Eine Alpensinfonie
für grosses Orchester op.64
Gothenburg Symphony Orchestra
Friedrich Haider
Rezensionen:
Rolf Blatzheim in Amazon:
Die Aufnahme der Alpensinfonie unter Friedrich Haider und dem Symphonieorchester Göteborg kann gegensätzlicher zu der von Zdenek Košler (siehe Rezension) kaum sein - gegensätzlich im besten und anspruchsvollen Sinne beider genannten Einspielungen. Es wäre misslich, nur einige wenige Interpretationen gelten zu lassen, wo produktive Hörarbeit und Partnerschaft mit dem Werk gefordert ist und dadurch jenen Genuss verschafft, wie ihn nur die Kunst bieten kann.
Haiders Einspielung ist mit 46 Minuten um etwa 10 Minuten kürzer - oder schneller, als die unter Zdenek Košler. Der Zugriff Haiders auf das große Werk ist entschlossen, fast gipfel- und bilderstürmerisch, von mitreißendem Schwung, der tatsächlich eine andere Sicht auf die Alpensinfonie weckt. Haider arbeitet mit brillanten Temporelationen und Kontrasten, er schärft eher als dass er glättet. Der Orchesterklang ist schlank, biegsam, fast ein wenig asketisch und steht der aufgedonnerten Nachbearbeitung durch das Mischpult klar entgegen. Zwei Erkenntnisse tun sich dabei auf -: zum einen, dass die Partitur auf keinen Fall einer Manipulation und Verschlimmbesserung durch das Mischpult bedarf, denn die Musik klingt phantastisch aus sich selbst heraus. Zum anderen entsteht der Eindruck, dass Haider die Sinfonie / Tondichtung mit der Erfahrung, intimen Kenntnis und Beglückung des Kammermusikers angeht. Das ist durchgehend bemerkbar an der Art, wie er die Streicher an Ecksätzen, Übergängen und Phrasierungen führt; kaum Vibrato, kurzer Bogenstrich, im Lautstärkebereich der tiefen und mittleren Lagen schroffer Trennklang.
Haiders Einspielung könnte auch als "Befreiungsschlag" verstanden werden, als gezielter Entschluss in Richtung gegen eine an den in der Vergangenheit liegenden Gegebenheiten orientierten Aufführungspraxis. Bei Haider mischen sich Expressionismus und Neuen Sachlichkeit, die sich strikt gegen den Gefühlsüberschwang und die ausufernde Rhapsodik der Spätromantik stemmt. Das schlägt sich natürlich auf das Klangbild, das Raumgefühl und letztlich das gefühlte Gewicht dieser Aufnahme nieder. Gut so. Dennoch entbehrt die Aufnahme keinesfalls der Emphase. Gesangliche und größere Entwicklungszüge, die den individuellen Charakter der Musik ausmachen, treten weder in den Hintergrund, noch geht das erlebende Mitvollziehen der harmonischen Zusammenhänge im großen Kontext, mithin das konstituierend Einmalige der jeweiligen klingenden Architektur, verloren.
Haiders Einspielung ist zugleich ein Weg an der Grenze entlang. Weiter sollte er sich nicht vorwagen - und nicht weniger.
Oliver Buslau in: Rondo 5/99:
"Friedrich Haider überrascht mit ungewohnter Artikulation: So stellt er zum Beispiel die „Erscheinung“ nach dem „Wasserfall“ fast als kleinen Walzer dar. Seine Interpretation wirkt ein bisschen wie die ersten Bach-Aufnahmen der historischen Aufführungspraktiker innerhalb der traditionell musizierenden Barockinterpreten: frisch, schnell und frei von Staub."
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